Portrait von Herrn Stanek.
© Silvia Wittmann

Manfred Stanek zum Neudenken von Produkten

Der Wunsch von Konsumenten und Verbrauchern nach nachhaltigen Pro­dukten nimmt zu: Nachhaltigkeit spielt bei der Auswahl von Produkten eine immer wichtigere Rolle. Doch welche Produkte werden diesem Anspruch gerecht? Und: Welche Kriterien erfüllt eigentlich ein nach­haltiges Produkt?

Manfred Stanek, CEO Greiner Packaging International GmbH, im Interview.

Herr Stanek, was macht nachhaltige Produkte aus?
Ich denke, nachhaltige Produkte hinterlassen einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck. Es sind Produkte, die gesamt­heitlich betrachtet ökologische, soziale und wirtschaftliche Vor­teile bieten. Wichtig erscheint mir außerdem, dass die Auswirkungen durch Materialherstellung, Nutzungsphase und Entsorgung des jeweiligen Produkts in den Fokus gerückt worden sind. Eine Lebensmittelver­packung, die aus Rezyklaten produziert wird, eine längere Haltbarkeit des Inhalts garantiert und recyclingfähig ist, wird diesen Ansprüchen gerecht. Ein Medizinprodukt, das wenig Material braucht, in der Anwendung sicher und steril ist sowie Infektionen vorbeugt, ist nachhaltig.

Kunststoffe sind zum Material der modernen Wirtschaft gewor­den. Doch immer stärker werden die ökologischen Folgen unseres Gebrauchs sichtbar.
Zweifellos können die Folgen von Kunststoffen nicht länger igno­riert werden. Eines ist mir persönlich wichtig: Jede Kunststoff­verpackung, die nicht ordnungsgemäß entsorgt wird und in die Umwelt gelangt, ist eine zu viel. Es ist schockierend, dass jährlich mindestens acht Millio­nen Tonnen Kunststoffe in die Ozeane gelangen. Doch auch wenn die Kritik an Kunststoffen in Teilen nachvollziehbar ist: Wir sind überzeugt, dass Kunststoffe der Umwelt einen Nutzen bringen. Wer gegen die globale Erwärmung vorgeht, muss Kunststoffe als Lösung betrachten, da sie Emissionen reduzieren. Werden Kunststoff­verpackungen bei­spielsweise durch andere Materialien ersetzt, steigt zumeist die Umweltbelastung. Dies kann nicht unser Anliegen sein.

Der Großteil unseres Verbrauchs folgt einem Make-Use-Dispose-Ansatz. Es ist offensichtlich, dass ein solches System nicht nachhaltig ist. Was ist die Lösung?
Der These stimme ich voll zu. Als globale Gesellschaft müssen wir über unsere Konsumgewohnheiten nachdenken. Ein Teil unseres Verbraucherverhaltens ist offensichtlich nicht nachhaltig und dazu brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte. Ich denke, wir müssen uns von der Make-Use-Dispose-Mentalität entfernen. Wir müssen sicherstellen, dass durch Konsumenten gebrauchte Produkte niemals zu Abfall werden, sondern das Ausgangsmaterial für neue Produkte bilden. Die Schaffung einer effektiven Kreislaufwirtschaft durch besseres Produktdesign und Recycling ist von entscheidender Bedeutung. Ich bin zuversichtlich, dass das viele Unternehmen begriffen haben und neue zirkuläre Lösungen entwickeln.

Angesichts eines Anstiegs der Weltbevölkerung ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach Produkten weiter steigen wird. Dies ist offensichtlich eine gute Nachricht für Unternehmen – aber was bedeutet es für die Umwelt?
Ich denke, die Herausforderung für fast alle Unternehmen besteht darin, die Perspektive zu erweitern. Ob in der Automobil-, Gesund­heits- oder Verpackungsindustrie: Wir müssen sicherstellen, dass wir bei der Entwicklung von Produkten die Umweltauswirkungen des Pro­dukts während seines gesamten Lebenszyklus untersuchen. Kurz ge­sagt: Es geht um Ökodesign. Wir bei Greiner haben hier große Fort­schritte gemacht. Jedes einzelne Produkt muss beweisen, dass es einen nachhaltigen Vorteil bietet. Ansonsten kann dieses eine Produkt keine Zukunft haben. Zu lange haben wir uns nur mit uns beschäftigt, indem wir die Effizienz der Produktion gesteigert haben und nicht die Nutzungsphase und die Entsorgung unserer Produkte im Blick hatten. Aber diese Zeit ist endgültig vorbei.